Französisch am Antonianum

I. Die Bedeutung des Faches am Antonianum

Das Gymnasium Antonianum ist Europaschule und will als solche natürlich im Sinne der Förderung der europäischen Kommission Sprachen fördern. Auf dem Arbeitsmarkt sind heute neben Englisch weitere Sprachen von großer Bedeutung.

Welche Gründe sprechen nun für Französisch als zweite oder dritte Fremdsprache?

  1. Frankreich ist unmittelbarer Nachbar von Deutschland und als solcher im Unterschied zu anderen angrenzenden Nachbarländern doch andersartig in vielen Bereichen. Dieses Andersartige kennenzulernen ist lohnenswert und mit Hilfe von Sprachkenntnissen einfacher.
  2. Französisch eröffnet Chancen für den beruflichen Erfolg, da Frankreich der wichtigste Handelspartner für Deutschland ist. Tausende von französischen Unternehmen haben Filialen in Deutschland.
  3. Französisch eröffnet einen leichteren Zugang zu anderen romanischen Sprachen wie zum Beispiel Spanisch oder Italienisch.
  4. Französisch ist bedeutsam für das Studium im Rahmen von Austauschprogrammen. Dank der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit bieten deutsche und französische Universitäten in vielen Bereichen integrierte Studiengänge an. Hier verbringt ein deutscher Student mit Hilfe eines Stipendiums einen Teil seines Studiums an einer französischen Universität (und umgekehrt) und erwirbt sowohl den französischen als auch den deutschen Hochschulabschluss.
  5. Französisch ist die zweite Sprache der Wissenschaft, wird weltweit gesprochen und ist Arbeitssprache in fast allen internationalen Organisationen (z. B. UNO, Unesco, Europarat).
  6. Historische Ereignisse (frz. Revolution, 2. Weltkrieg), Kunst (Impressionismus, Gotik), Philosophie (Voltaire, Sartre und Existenzialismus) und Sport (Fußballweltmeisterschaft, Olympiade) verbinden Deutschland ebenfalls mit Frankreich.
  7. Französisch verschafft Einblick in frz. Lebensverhältnisse (z.B. Essgewohnheiten, Schulalltag, Politik, Jugendkriminalität und Vorstadt- bzw. Immigrantenproblematik, Religion, Musik, Lebensstil usw.).
  8. Französisch ermöglicht einen Überblick über das große Spektrum diverser geografischer Gegebenheiten.

Besonders die drei letztgenannten Punkte zeigen deutlich, dass Französisch fachverbindend ist und über das Erlernen der Sprache hinausgeht zu umfangreicherem Allgemeinwissen.

II. Wie wird Französisch gelernt?

Der Französischunterricht bereitet grundsätzlich auf die Begegnung mit Land und Leuten vor. Deshalb stehen kommunikative Fertigkeiten wie Hör- und Leseverstehen, Sprechen, Schreiben, Hör-Seh-Verstehen oder Sprachmittlung im Vordergrund.

In Anlehnung an die Kerncurricula (KC) werden diese einzelnen Kompetenzstufen sukzessive trainiert und nach dem Prinzip der Progression der Schwierigkeiten erweitert und kombiniert.

Die Lerninhalte basieren in der Sek I auf den von der Fachkonferenz verbindlich vorgegebenen Modulen (Themenfelder), die in höheren Klassenstufen immer wieder spiralförmig aufgegriffen werden. Dabei können Texte im Lehrwerk ergänzt oder gestrichen und andere thematisch passende Zusatzmaterialien hinzugezogen werden.

Die Lehrwerke sowie weitere Begleitmaterialien (CD, Folien) sind in ihren Inhalten auf die Erfahrungswelt der Jugendlichen ausgerichtet, so dass sich die SuS mit ihnen identifizieren können. Bildmaterial und Konzeption des Lehrwerkes sind ansprechend und motivierend gestaltet.

In höheren Klassenstufen und in der Sek. II gilt ein erweiterter Textbegriff, d.h. die ganze Bandbreite von authentischen Materialien wird ausgenutzt (u.a. Lektüren, Zeitschriften, Internet, Filme, Chansons). Filmanalysen haben einen immer höheren Stellenwert, auch im Abitur.

Eine lebende Fremdsprache bietet die Möglichkeit, nach einer Übungsphase den neuen Stoff sofort kommunikativ anzuwenden. Der neue Wortschatz wird z.B. zusammen mit grammatischen Elementen geübt, indem die Schülerinnen und Schüler Bildgeschichten in Worte fassen, kleinere Texte als E-Mails oder Briefe schreiben, Dialoge erstellen, Telefongespräche simulieren oder Rollenspiele durchführen.

Im Anfangsunterricht, wo das Sprechen im Vordergrund steht, ist die Fehlertoleranz sehr groß. Die Vermittlung des Inhalts ist hier wichtiger als die Sprachkorrektheit. Seit dem Erscheinen der Kerncurricula ist die Fehlertoleranz ohnehin größer geworden. Man spricht heute von der integrierten Sprachbewertung. Nicht hörbare Fehler (z.B. beim „accord“) fallen nicht mehr ins Gewicht.

Neu seit dem Erscheinen der KC ist zudem, dass keine reinen Grammatikaufgaben in den Lernzielkontrollen (LZK) gestellt werden dürfen. Grammatische Probleme werden immanent durch entsprechende Operatoren in einer Textaufgabe kontrolliert. In der Sek. I soll in einer LZK diejenige Kompetenz schwerpunktmäßig abgetestet werden, die zuvor geübt wurde. In höheren Jahrgängen dürfen mehr Kompetenzen kombiniert werden. Ohnehin ist eine scharfe Trennung oft nicht möglich.

Auch in der Sek. II ist neuerdings eine kombinierte Aufgabenstellung mit einem Kompetenzteil (freie Wahl) in mindestens einer der 4 LZK verpflichtend.

Die Lerninhalte werden durch die sogenannten Abiturschwerpunkte bislang in jedem Jahrgang neu und verbindlich vorgegeben. Dabei gibt es keine gravierenden Unterschiede zwischen einem Kurs auf erhöhtem (eN) und einem auf grundlegendem Niveau (gN), bis auf die Tatsache, dass in einem eN-Kurs auch kürzere literarische Texte (Auszüge) aus dem 19. Jh. gelesen werden sollen. Die Schulung der instrumentellen Fertigkeiten und die Erweiterung des Wortschatzes, insbesondere Ausdruck und Idiomatik, sowie bestimmte Themengebiete gehören ebenfalls zum Unterricht.

Da dem Sprechen eine große Bedeutung zukommt, wird in der Jahrgangstufe 7 und 9 verpflichtend eine Arbeit durch eine mündliche Prüfung ersetzt. Auch im Jahrgang 11 darf freiwillig eine Arbeit durch eine Sprechprüfung ersetzt werden.

III. Ist Französisch schwer?

Französisch gilt oft als schwer. Natürlich muss man, wie in jeder anderen Fremdsprache, Vokabeln und Grammatikregeln kontinuierlich lernen und konzentriert im Unterricht mitarbeiten. Aber es gibt mehrere Faktoren, die gerade den Anfangsunterricht zugänglicher machen:

  1. Mit dem Erlernen der neuen Fremdsprache sollte man so früh wie möglich beginnen, also am GAV in Klassenstufe 6. Denn in diesem Alter ist das Erlernen der frz. Sprache noch stark geprägt von der Nachahmungsfähigkeit der Schüler. Die neuen sprachlichen Elemente werden vielfach spielerisch verinnerlicht.
  2. Jedes Kind kennt schon eine Menge frz. Wörter, bevor es mit dem Lernen der Sprache anfängt (Cafe, Restaurant, Baguette, die Grußformel „Salut“ usw).
  3. Weitere Wörter sind in der 6. Klasse aus dem Englischunterricht bekannt:

(arriver – to arrive, dangereux – dangerous, changer – to change …..)

  1. Französische Wörter sind in Wortfamilien gut strukturiert.
  2. Französisch ist nicht schwer zu schreiben.
  3. Französisch hat anfangs eine ungewohnte (z.B. die Nasale), aber schnell und systematisch zu erlernende Aussprache.
  4. Aufgrund der in II. genannten kreativen Gestaltungsaufgaben und der Dominanz des Sprechens ist der Französischunterricht sehr motivierend.

IV. Wie wird Französisch am GAV "gelebt", "erlebt" ?

  1. Schüleraustausch mit der Partnerschule in Rouen: Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen haben im Rahmen eines umfangreichen Austauschprogramms mit anderen Ländern die Möglichkeit, an diesem Austausch teilzunehmen. Im Juli 2012 konnte das Antonianum das 20-jährige Jubiläum des Austausches mit der Institution du Sacré-Coeur in Rouen/Normandie feiern.
  2. Voltaire und Brigitte Sauzay Programme: Hier gehen deutsche Schülerinnen und Schüler für ein halbes Jahr bzw. für drei Monate in eine französische Gastfamilie und nehmen im folgenden Halbjahr den entsprechenden Partner zu sich in die Familie auf. Hin- und Rückreise und Besuche kultureller Veranstaltungen werden staatlich bezuschusst.
  3. Einladung von frz. Theatergruppen
  4. Vorführung kurzer Theaterstücke in AG´s oder am Tag der offenen Tür von Schülern jüngerer Jahrgänge

Insgesamt bemüht sich die Fachgruppe, Kontakte und Programme, die den Schülern die Sprache zum „Erlebnis“ machen, wahrzunehmen. Leider können nicht alle Angebote umgesetzt werden wegen der schulischen Verpflichtungen bzw. der Stunden­­pläne der Schüler (z.B. die „Förderung deutsch-französischer Jugend­begegnung – Blue social Vision Frankreich-Klassenfahrten- Programme ).

     V. Wie werden Schüler am Antonianum in Französisch gefördert ?

  1.  Zertifikat DELF

In den letzten Jahren haben viele Antonianer dieses vom frz. Staat anerkannte Sprachzertifikat erworben. Es wird beim Studium und bei der Berufsausbildung als standardisierter Nachweis über frz. Sprachkenntnisse anerkannt. Das Antonianum bietet in jedem Schuljahr Vorbereitungskurse auf verschiedenen Niveaustufen an.

  1. Förderkurse

Schüler, denen der Einstieg in die frz. Sprache schwerfällt, werden nach Möglichkeit durch Förderkurse unterstützt.

   VI. Welche Maßnahmen gibt es zur Weiterentwicklung des Faches ?

  1. Teilnahme an Lehrerfortbildungen: Gerade im Zusammenhang mit dem Erscheinen der KC in der Sek I und später in der Sek II waren mehrere Fortbildungen z.T. verpflichtend.
  2. Diskussion und Revision von Lehrplänen, Methoden und neuen Lehrmittelangeboten (mindestens einmal zu Beginn eines jeden Halbjahres)  
  3. Vorstellung neuer Lehrwerke von kompetenten Lehrwerkbeauftragten der Region
  4. Erweiterung der methodischen Kompetenzen durch fachspezifische Schulung an Methodentagen
  5. Kooperation mit anderen Gymnasien der Region

    

Melanie Thole (Fachobfrau)